Neue Studie: Viele Brustkrebspatientinnen benötigen nach einer Mastektomie möglicherweise keine Strahlentherapie
Eine große internationale Studie legt nahe, dass ausgewählte Patientinnen nach einer Mastektomie sicher auf eine Bestrahlung der Brustwand verzichten können, ohne dass sich ihre Überlebenschancen verschlechtern.
Für viele Frauen mit Brustkrebs löst allein das Wort „Strahlentherapie“ Angst und Unsicherheit aus. Nach einer Mastektomie wird häufig eine Bestrahlung des Brustkorbs empfohlen, um das Risiko eines Wiederauftretens der Erkrankung zu verringern. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass diese Behandlung für manche Patientinnen möglicherweise nicht erforderlich ist.
Was wurde in der Studie untersucht?
Ein internationales Forscherteam veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse der SUPREMO-Studie im New England Journal of Medicine.
An der Studie nahmen knapp 1.600 Frauen teil, die sich einer Mastektomie, einer Axilladissektion (Entfernung der Lymphknoten in der Achselhöhle) sowie einer modernen Brustkrebstherapie wie Chemotherapie oder antihormoneller Behandlung unterzogen hatten.
Rund 80 % der Teilnehmerinnen hatten Brustkrebs mit 1 bis 3 befallenen Lymphknoten – ein Befund, der bisher häufig als Indikation für eine Strahlentherapie galt.
Die Frauen wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt:
- Gruppe 1: erhielt eine Strahlentherapie der Brustwand.
- Gruppe 2: erhielt keine Strahlentherapie.
Die wichtigsten Ergebnisse
Nach einer Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren waren die Ergebnisse in beiden Gruppen nahezu identisch:
- Rund 82 % der Frauen in beiden Gruppen waren noch am Leben.
- Auch die Zahl der Frauen, bei denen der Krebs an anderen Stellen des Körpers wieder auftrat, war nahezu gleich.
- Lediglich bei den lokalen Rückfällen (Wiederauftreten des Tumors im Bereich der Brustwand) zeigte sich ein kleiner Unterschied:
- 1,1 % der Frauen mit Strahlentherapie
- 2,5 % der Frauen ohne Strahlentherapie
Mit anderen Worten: Die Strahlentherapie verringerte das Risiko lokaler Rückfälle nur geringfügig, verbesserte jedoch das Gesamtüberleben nicht.
Warum diese Ergebnisse wichtig sind
Für viele Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium und einem mittleren Rückfallrisiko sind diese Ergebnisse eine ermutigende Nachricht. Die Studie legt nahe, dass eine Strahlentherapie nach einer Mastektomie nicht in jedem Fall erforderlich ist – insbesondere dann, wenn bereits eine wirksame systemische Behandlung, etwa mit Chemotherapie oder antihormoneller Therapie, durchgeführt wurde.
Ein Verzicht auf die Strahlentherapie kann folgende Vorteile bieten:
- Weniger Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Hautreizungen und langfristige Gewebeveränderungen
- Eine kürzere Behandlungsdauer
- Eine insgesamt bessere Lebensqualität
Was Patientinnen wissen sollten
Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass nach einer Mastektomie grundsätzlich auf eine Strahlentherapie verzichtet werden sollte. Sie liefern jedoch eine solide wissenschaftliche Grundlage, damit Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit ihren Patientinnen eine individuell angepasste Behandlungsentscheidung treffen können.
Wenn bei Ihnen eine Mastektomie durchgeführt wurde, vereinbaren Sie gerne einen Termin mit uns. Gemeinsam besprechen wir Ihre persönlichen Risikofaktoren und prüfen, ob eine Strahlentherapie nach der Operation in Ihrem Fall tatsächlich erforderlich ist.
Quelle
The SUPREMO Trial, New England Journal of Medicine, 2025. Funded by the Medical Research Council and others (ISRCTN 61145589).